Film-Tipp: Midlife Crisis einer Hausfrau
In der Sackgasse: Pippa (Robin Wright) mit ihrem 30 Jahre älteren Mann Herb Lee (Alan Arkin). (Rialto)
Wer über Rebecca Miller schreibt, begibt sich unweigerlich in eine «Who's who»-Situation. Die Autorin und Regisseurin ist die Tochter des berühmten Theaterautors Arthur Miller und verheiratet mit Überschauspieler Daniel Day-Lewis.
Als ob das nicht schon genug gewichtige Namen wären, engagierte die 47-jährige US-Amerikanerin für die Verfilmung ihres eigenen Romans «The Private Lives of Pippa Lee» halb Hollywood. Und halb Hollywood kam.
«Name Dropping»
Die Titelrolle Pippa Lee spielt die attraktive Robin Wright. Ihren geheimnisvollen Lover mit Jesus-Tatoo mimt Keanu Reeves. In Rückblenden gibt es Maria Bello als ihre Mutter und Monica Bellucci als ihre Rivalin zu sehen.
Der Hollywood-Veteran Alan Arkin tritt als Pippa Lees Mann Herb auf. Die grossartige Julianne Moore und die weniger grossartige Winona Ryder tauchen in Nebenrollen auf.
Durchs Leben zappen
Eine unglaubliche Riege an namhaften Darstellern und Darstellerinnen. Doch auch sie können dem Drehbuch, das mehr wie ein Zappen durch eine Lebensgeschichte wirkt, keine Tiefe verleihen.
Am Schluss weiss man gar nicht mehr, was der Film eigentlich erzählen wollte. Den vermeintlichen Nervenzusammenbruch einer 50-Jährigen, die ihren 30 Jahre älteren Mann in eine Seniorenresidenz begleitet?
Gelungene Momente
Oder wie Pippa als Teenager unter der Pillensucht ihrer Mutter gelitten hat? Oder wie sie mit dem sonderbaren Verkäufer eines Tankstellenshops ein Verhältnis anfängt? Oder wie sie sich als Mutter zweier erwachsener Kinder nutzlos fühlt?
Der Film hat keine Richtung und mäandert durch die verschiedenen Lebensabschnitte der Hauptfigur. Dennoch hat er einige gelungene Momente, besonders in den teils sarkastischen Kommentaren von Pippa Lees Mann.
Durch Raum und Zeit
Sehr schön sind ausserdem die Übergänge von der Gegenwart zur Vergangenheit, die wie Kameraschwenks durch Raum und Zeit wirken. Da fährt die Kamera durch Pippa Lees aktuelles Wohnzimmer, nur um in der Küche ihrer Kindheit zu enden.
Etwas ganz Ähnliches machte Arthur Miller in seinem berühmtesten Bühnenstück «Death of a Salesman». Da hat die Tochter also gekonnt abgekupfert. Schwieriger erweist sich allerdings die Besetzung von Pippa als Mädchen und junge Frau, weil die jüngeren Darstellerinnen Robin Wright überhaupt nicht ähneln.
Klassischer Frauenfilm
«The Private Lives of Pippa Lee» ist gehobene Unterhaltung, ein klassischer Frauenfilm, der bewusst während der Fussball-WM programmiert wurde. Sicher kein Meilenstein, aber durchaus gut für einen Kinoabend jenseits von Klamauk und Knalleffekten. (rb)
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