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Donnerstag, 10.5.2012

Trenitalia verschärft Auflagen beim Gefahrengut

Die italienische Staatsbahn Trenitalia will Gefahrenguttransporte ab sofort nur noch in EU-zertifizierten Güterwagen erlauben. Dies habe negative Folgen für den ganzen europäischen Güterverkehr und sei erst noch rechtswidrig, kritisiert die verladende Wirtschaft.

Italienische Staatsbahn prellt mit schärferen Bestimmungen im Gefahrenguttransport vor. (Reuters Archiv)

Die italienische Staatsbahn will die Sicherheit beim Gefahrenguttransport erhöhen und schreckt damit die Branche auf. Laut dem Verband der verladenden Wirtschaft (VAP) akzeptiert Trenitalia per sofort keine Güterwagen mehr , die mit «Eigenerklärung der Konformität» der Wagenhalter verwaltet werden.

Die Staatsbahn poche vielmehr auf eine Zertifizierung durch die zuständige EU-Stelle, hiess es an der VAP-Frühjahrstagung in Zürich. Der Trenitalia-Entscheid habe negative Folgen für den ganzen schweizerischen und europäischen Schienengüterverkehr. Denn auch wenn es neben Trenitalia weitere Bahnunternehmen in Italien gebe, könne sich die verladende Wirtschaft nicht über Nacht neu organisieren.

Trenitalia verstosse zugleich gegen europäisches Recht, hält der VAP fest: Gemäss EU-Verordnung müsse die Selbstdeklaration der Wagenhalter bis zum 31. Mai 2013 anerkannt werden.

EU-Kommission muss entscheiden
Die International Union of Wagon Keepers (UIP) und die European Railfreight Association (ERFA) als Sektorenorganisationen der Wagenhalter der Bahnkunden haben das rechtswidrige Verhalten der EU-Kommission unterbreitet. Ein Entscheid steht noch aus. Der VAP befürchtet allerdings, dass die Kommission zugunsten von Trenitalia entscheiden wird.

Verantwortlich für das «gesetzes- und vertragswidrige Verhalten» macht der Verband Trenitalia-Chef Mauro Moretti. Dieser sei zugleich Präsident der Europäischen Bahnorganisation CER und in dieser Funktion für den gesamten Bahnverkehr in Europa zuständig. Das Verbot von Gefahrenguttransporten durch Trenitalia schädige somit auch das Ansehen der CER.

VAP: Vorschriften sind «Killerkriterien»
Kritisiert wurden an der VAP-Tagung auch die laufenden Verschärfungen der Sicherheitsvorschriften für den Güterverkehr. In der Summe führten diese zu erheblichen Mehrkosten, aber auch zu Betriebsstörungen und damit zu Unzuverlässigkeit des Bahnverkehrs. Die Sicherheitsvorschriften seien «zu eigentlichen Killerkriterien» im Wettbewerb mit der Strasse geworden.

Der VAP vertritt nach eigenen Angaben rund 300 Unternehmungen der verladenden Wirtschaft in der Schweiz, die Güter per Bahn, per Lastwagen oder auf Schiffen befördern. (bru, sda)

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