Permafrost-Schmelze: Nicht nur Guttannen bedroht
Von Inlandredaktorin Karoline Arn
An den Gletschern ist die Klimaerwärmung besonders gut sicht- und messbar: Sie schrumpfen Jahr für Jahr.
Doch nicht nur auf den Bergen liegt Eis. Das Hochgebirge über 2500 Meter ist das ganze Jahr Stein und Bein gefroren. Permafrost heisst dieser Zustand.
Laut Hugo Raetzo vom Bundesamt für Umwelt, Bafu, hat es im Unterwallis, südlich der Rhone, die grössten Zonen mit Permafrost. Aber auch im Berner Oberland, in der Waadt, in den Zentralalpen oder im Bündnerland sind die Berge teilweise gefroren.
Überall wird gemessen
Seit den 80er Jahren wird es immer wärmer. Das Bafu versucht zu messen, was nun passiert. Ein Dutzend Messsonden stecken in den Alpen, um herauszufinden wie tief ist der Boden gefroren ist und ob er sich bewegt. Zusammen mit der Schweiz misst auch ganz Europa den Alpenraum aus.
Denn wenn der Boden taut, gibts - wie in Guttannen - Probleme: Berge zerbröckeln, Felsstürze oder Schlammlawinen donnern zu Tal oder Hänge rutschen. Treffen kann es Seilbahnen, Häuser, Strassen, Eisenbahngeleise oder Wanderwege.
Ignorierte Gefahr
Diese Gefahren, die aus der Permafrostzone kommen, seien relativ neu, sagt Hugo Raetzo. Sie seien bisher kaum beachtet oder sogar ignoriert worden. «Den Permafrost sieht man ja nicht, deshalb hat man ihn auch weniger wahrgenommen.»
Guttannen ist nur der Anfang
Nun müssen die betroffenen Gemeinden mögliche Risiken in einer Karte eintragen und als zweiten Schritt auch Massnahmen planen. So etwa Schutzdämme oder Steinschlagnetze erreichten oder, wie in Guttannen, einen ganzen Weiler umsiedeln. Klar ist für Hugo Raetzo: Guttannen wird kein Einzelfall bleiben, es wird weitere Fälle geben. Das werde wohl kaum Städte oder ganze, grosse Dörfer betreffen, wohl aber einige Gebiete mit einer kleineren Anzahl Häuser.
Permafrost nur eine von vielen Gefahren
Die Massnahmen werden einiges kosten. Wie viel, könne man noch nicht sagen. Zahlen müssen Bund, Kanton, Gemeinde und die betroffene Personen.
Beruhigend sei, sagt Raetzo: Verglichen mit anderen Naturgefahren, beispielsweise Hochwasser, seien die Kosten aber geringer. Man müsse «trotz aller Brutalität gewisser Prozesse» die Relation sehen zu anderen Risiken. (luek)
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