IKRK darf Hilfsgüter in Homs nicht verteilen
Am Freitag gingen im ganzen Land - wie hier im Norden - erneut viele Menschen auf die Strasse, um gegen Assad zu demonstrieren. (Keystone)
Ein Hilfskonvoi aus sieben Lastwagen hat die syrische Stadt Homs erreicht. Freiwillige Helfer stünden bereit, um notleidende Menschen im Viertel Baba Amro zu versorgen, berichtete die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Carla Mardini. Doch die Truppen Assads hindern die Helfer bislang daran, die Güter im erstürmten Quartier Baba Amro zu verteilen.
Ungewohnt scharf reagierte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger auf die Tatsache, dass der Konvoi nicht nach Baba Amro gelassen wird: «Es ist nicht zu akzeptieren, dass Menschen, die seit Wochen dringend auf Unterstützung angewiesen sind, immer noch keine Hilfe bekommen haben», so Kellenberger.
Essen, Medikamente und Decken
Wann die syrischen Behörden den Helfern den Zugang zum tagelang umkämpften Quartier ermöglichen, ist unklar. «Freiwillige des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes warten mit mehreren Krankenwagen und hoffen, möglichst bald nach Baba Amro zu dürfen», sagte IKRK-Sprecher Hicham Hassan in Genf.
Die in Damaskus gestarteten Lastwagen haben Nahrungsmittel, Medikamente, Decken und andere Hilfsgüter für die Menschen in Baba Amro geladen.
«Wir haben auch Vorbereitungen für eine Evakuierung getroffen und wollen Verletzte rausbringen, die Behandlung in Spitälern brauchen», sagte Hassan weiter. Die Lage in Baba Amro ist - abgesehen von den unmittelbaren Folgen der Kämpfe - auch durch Kälte und Schneefall erschwert.
Berichte von willkürlicher Gewalt
Nach Angaben von Regimegegnern hatte die syrische Armee am Donnerstag das seit Wochen belagerte Viertel Baba Amro gestürmt. Die meisten Oppositionskräfte sollen sich zuvor zurückgezogen haben.
Die Opposition berichtete, dass Assad-treue Soldaten dort nun verbliebene Aufständische, die den Rückzug ihrer Kameraden decken wollten, jagten und töteten. Die Berichte konnten nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden, da Syrien die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen hat.
Trotzdem zeigten sich Vertreter der Uno alarmiert von den Berichten. «Es ist unbedingt notwendig, dass es keine widerrechtlichen Vergeltungsmassnahmen gibt, keine Massenhinrichtungen, keine Folter, keine willkürlichen Festnahmen. Und die Rechte derer, die verhaftet wurden, müssen geachtet werden», sagte ein Sprecher der Organisation.
Neben Hinweisen auf verschiedene brutale Verbrechen in dem Quartier gebe es einen Bericht über eine Massenexekution vom Donnerstag, der 17 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen.
Demonstrationen nach Freitagsgebeten
Nach den Freitagsgebeten gingen im ganzen Land erneut viele Menschen auf die Strasse, um gegen Assad zu demonstrieren, etwa in den Städten Homs, Hama und in mehreren Vierteln der Hauptstadt Damaskus. Die in London ansässige oppositionsnahe Organisation Syrian Observatory for Human Rights berichtete, mindestens 13 Menschen seien in der Stadt Rastan von einer Granate getötet worden, die während einer Protestaktion eingeschlagen sei. Insgesamt sollen am Freitag landesweit 52 Menschen umgekommen sein.
Frankreich schliesst Botschaft in Damaskus
Unterdessen gab der französische Präsident Nicolas Sarkozy bekannt, die französische Botschaft in Damaskus sei geschlossen worden. Als Grund nannte er die anhaltende Gewalt des Regimes gegen Regierungskritiker. Sarkozy bezeichnete das Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte als Skandal.
Bereits am Mittwoch hatte bereits die Schweiz ihre Vertretung in der syrischen Hauptstadt geschlossen. Bern machte dafür Sicherheitsgründe verantwortlich. Der Botschafter wurde zu Konsultationen zurückgerufen. (pet;bru, sda/afp/dpa)
Mehr zum Stichwort:
