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Freitag, 22.6.2012

IKRK kann Homs nicht erreichen

In Syrien sind 1,5 Millionen Menschen wegen der zunehmenden Gewalt von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Die Helfer hätten immer mehr Probleme, die Menschen zu versorgen, erklärte das Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) am Freitag in Genf.

Zerstörung wohin das Auge reicht. Aufnahmen aus der Nähe der umkämpften Stadt Homs. (Keystone)

Karte: Syrien

1,5 Millionen Menschen von humanitärer Hilfe abgeschnitten

In Syrien benötigen 1,5 Millionen Menschen dringend Hilfe. Diese neue Zahlen hat die Uno veröffentlicht. Uno-Sonderbeobachter für Syrien, Kofi Annan, ist in Genf vor die Medien getreten.

Beitrag aus Echo der Zeit vom Freitag, 22.6.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Shabbiha - Assads Geister-Miliz ohne Skrupel

Für etliche Gräueltaten und insbesondere die Massaker von Hula und al-Kobeir werden von der syrischen Opposition die Shabbiha-Milizen verantwortlich gemacht. Diese gehören mehrheitlich zur Volksgruppe der Alawiten - wie Präsident Assad.  Mehr

Bislang war die Uno von einer Million hilfsbedürftiger Zivilisten in Syrien ausgegangen. Robert Watkins vom Uno-Entwicklungsprogramm in der libanesischen Hauptstadt Beirut sagte, die Gewalt «macht es extrem schwer, eine Präsenz vor Ort zu errichten, damit humanitäre Hilfe überhaupt geleistet werden kann».

Seit Beginn des Aufstands im März 2011 sind nach Uno-Schätzungen über 10'000 Menschen getötet worden. Mindestens 500'000 Menschen wurden vertrieben. Allein in der Provinz Idlib seien 350'000 Menschen auf Hilfe angewiesen, in Homs 250'000.

IKRK-Team muss umkehren
Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und der syrische Rote Halbmond kommen nicht zu Hilfsbedürftigen durch. Dramatisch scheint die Lage in der Millionenstadt Homs zu sein, um die Regime und Rebellen seit Monaten kämpfen.

Ein Team habe nach Damaskus zurückkehren müssen, erklärte das IKRK am Freitag. Am Donnerstag hatte es für Homs eine vorübergehende Feuerpause ausgehandelt, die nicht eingehalten wurde. Die Opposision machten den Artilleriebeschuss durch Regimetruppen dafür verantwortlich. Das Regime beschuldigte dagegen die Rebellen, die Helfer beschossen zu haben.

Konflikt droht ausser Kontrolle zu geraten
Der Sondergesandte von Uno und Arabischer Liga für Syrien, Kofi Annan forderte in Genf, die Weltgemeinschaft müsse mehr Druck auf die «kriegsführenden Parteien» ausüben, damit diese «mit dem Töten aufhören und anfangen, miteinander zu reden». Er warnte, der Konflikt könne «ausser Kontrolle» geraten und auf die Nachbarstaaten übergreifen. «Je länger wir warten, desto düsterer wird die Lage.»

Er drängte darauf, am 30. Juni in Genf eine Konferenz zu Syrien mit der von ihm angeregten Syrien-Kontaktgruppe durchzuführen. Annan möchte neben den Uno-Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien sowie der Arabischen Liga und Saudi-Arabien auch den Iran an den Verhandlungstisch holen. Doch dies lehnen die USA ab.

Annan beharrte darauf, dass der Iran «Teil der Lösung» sein müsse. Er hoffe auf einen Durchbruch in der Frage der Kontaktgruppe in der kommenden Woche.

Kämpfe in mehreren Landesteilen
Ausser in Homs gab es auch in anderen Teilen Syriens am Freitag heftige Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Bashar al-Assad. Gemäss der Opposition feuerten Soldaten in der Metropole Aleppo auf Demonstranten und töteten zehn davon.

In der Ortschaft Darat Issa bei Aleppo töteten Aufständische nach eigenen Angaben 26 regimetreuen Schabiha-Milizen. Gemäss den syrischen Staatsmedien waren die Getöteten Zivilisten.

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London beschossen die Streitkräfte auch die Städte Daraa und Idlib. In Daraa habe es zudem bei einem Angriff von Rebellen auf einen Armeestützpunkt Tote gegeben.

Türkischer Kampfjet vermisst
Vor der Küste Syriens kam es zu einem Zwischenfall: Die türkische Luftwaffe meldete eines ihrer Kampfflugzeuge als vermisst. Unklar war, ob die Maschine des Typs F4 über internationalen oder syrischen Gewässern vermisst wurde. Die Armee äusserte sich dazu nicht und türkische Medien machten verschiedene Positionsangaben.

In Ankara kamen türkische Regierung und Armeeführung zu einer Krisensitzung zusammen. Gemäss libanesischen Fernsehberichten war der Kampfjet von der syrischen Luftabwehr abgeschossen worden.

Ministerpräsident Tayyip Erdogan erklärte am Abend, es sei noch unklar, ob das Flugzeug abgestürzt sei oder abgeschossen wurde. Türkische Schiffe und Helikopter suchten zusammen mit syrischen Schiffen nach der Besatzung. (basn, sda/reuters/afp/dpa/dapd)

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