Uno: Angriff auf Tremseh galt vor allem Rebellen
Bewohner von Tremseh neben einem Fahrzeug von Uno-Inspektoren während der Besichtigung. (Reuters)
Beim Sturm auf das Dorf Tremseh vom Donnerstag hatten die Soldaten nach Angaben der Uno-Beobachter wohl vor allem Regimegegner im Visier. «Die Attacke richtete sich offenbar gegen bestimmte Gruppen und Gebäude vor allem von Armee-Deserteuren und Aktivisten», teilten die Blauhelme am Wochenende nach einer ersten Untersuchung vor Ort mit.
Man habe «Blutlachen, Blutspritzer und Patronenhülsen in einer Reihe von Wohnhäusern» gesehen, hiess es in der Erklärung der Uno-Beobachter. Auch eine niedergebrannte Schule und beschädigte Häuser mit Brandspuren seien untersucht worden.
Wie viele Menschen bei den Kämpfen getötet wurden, sei noch unklar. Die Untersuchungen im Dorf sollten fortgesetzt werden. Die militärischen und zivilen Beobachter konnten erst am Samstag - zwei Tage nach dem Angriff - mit elf Fahrzeugen in das Dorf rund 25 Kilometer nordwestlich von Hama fahren.
Regime verneint Einsatz schwerer Waffen
Nach Angaben der Inspekteure kam eine Vielzahl von Waffen zum Einsatz, darunter Artillerie, Mörser und Handfeuerwaffen. Die Beobachtermission UNSMIS sei tief beunruhigt über die eskalierende Gewalt, hiess es in einer Stellungnahme am späten Samstagabend.
Aussenministerium: 37 Kämpfer und zwei Zivilisten getötet
Damaskus dementierte Angaben, wonach auch Panzer, Artilleriegeschütze und Militärhelikopter eingesetzt worden seien. Das syrische Regime wies erneut jegliche Schuld für das Massaker von sich.
Der Sprecher des syrischen Aussenministeriums, Dschihad al-Makdisi, sagte am Sonntag vor der Presse in Damaskus, die Armee habe in dem Dorf 37 Kämpfer getötet. Bei der Operation seien nur zwei Zivilisten ums Leben gekommen. Die Kämpfer der Opposition hätten in dem Bezirk Menschen entführt und die Bevölkerung terrorisiert.
Regimegegner warfen den Truppen von Präsident Bashar al-Assad dagegen vor, ein Massaker mit mehr als 200 Toten an den Dorfbewohnern verübt zu haben. Das Blutbad hatte international Entsetzen ausgelöst.
Annan am Dienstag bei Putin
Der Syrien-Sondervermittler Kofi Annan will nach Bagdad und Teheran nun Moskau besuchen, wo an diesem Dienstag ein Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin geplant ist.
Dabei werde Russland seine Unterstützung für den Annan-Friedensplan bekräftigen, teilte der Kreml mit. «Die russische Seite ist der Ansicht, dass der Plan die einzige realisierbare Grundlage für die Lösung der innersyrischen Probleme ist.»
Im Uno-Sicherheitsrat blockierte die Veto-Macht Russland bislang jede Resolution, die ein schärferes Vorgehen gegen Damaskus ermöglichen würde. Annan war zuletzt Ende März in Moskau. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen rieten die USA den arabischen Golfstaaten, den wirtschaftlichen Druck auf Moskau zu erhöhen, um ein Einlenken Russlands im Syrien-Konflikt zu erreichen.
Iran bietet sich als Vermittler an
Teheran bot sich als Vermittler und Gastgeber von Friedensgesprächen zwischen dem syrischen Regime und der Opposition an. Der Iran unterstütze Annans Friedensplan, allerdings nur, wenn Assad an der Macht bleibe», sagte Aussenminister Ali Akbar Salehi laut Nachrichtenagentur Isna.
Anhaltende Kämpfe
Das Blutvergiessen in Syrien geht derweil unvermindert weiter: Allein am Samstag wurden nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter insgesamt 133 Menschen getötet, darunter 77 Zivilisten. Am Sonntag starben laut binnen weniger Stunden 28 Menschen. (bru, dpa)
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