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Freitag, 10.8.2012

Flüchtlinge im Libanon auf sich selbst gestellt

Anders als in anderen Nachbarländern gibt es in Libanon keine Flüchtlingslager. Die Situation der syrischen Flüchtlinge wird dort immer prekärer und droht, die Lage in dem früheren Bürgerkriegsland zu destabilisieren.

Syrische Zivilistinnen und Zivilisten überqueren zu Fuss die libanesische Grenze bei Masnaa. (Keystone)

In Libanon leben die geflüchteten Syrer bei Gastfamilien, Freunden und Bekannten oder mieten selbst eine Unterkunft, da die Regierung keine Flüchtlingslager zulässt. Dies führt vermehrt zu Spannungen zwischen den Einheimischen und den vor dem Bürgerkrieg geflüchteten Menschen.

Reserven aufgebraucht
Viele Flüchtlinge hätten ihre Reserven inzwischen aufgebraucht und wüssten kaum noch, wovon sie Miete und Lebensmittel bezahlen sollten, sagte Marc-André Hensel von der Hilfsorganisation World Vision. Er hält sich derzeit in Beirut auf.

Die reicheren Flüchtlinge gingen in die libanesische Hauptstadt Beirut oder reisten nach Ägypten aus. Die weniger begüterten Menschen dagegen blieben häufig in der Bekaa-Region im Osten des Landes nahe der syrischen Grenze und versuchten, dort ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei in Libanon jedoch schon für die Einheimischen sehr angespannt.

Angst vor Repressalien
Die beim Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR registrierten Syrer erhielten Lebensmittelgutscheine und würden medizinisch versorgt, die Lage der nicht registrierten Flüchtlinge sei schwieriger. «Nicht alle Flüchtlinge lassen sich registrieren, weil sie Angst haben, später Repressalien ausgesetzt zu werden», erklärte Hensel.

Libanesische Wirtschaft leidet
Zudem verschärfe sich die Situation, je länger der Konflikt in Syrien andauere. «Es treten immer mehr Spannungen auf zwischen Flüchtlingen und Libanesen, weil die Gastfamilien natürlich jetzt auch immer weniger Mittel haben, um die Flüchtlinge zu versorgen», sagte Hensel.

Die Bekaa-Region lebe stark vom Handel mit Syrien, der momentan jedoch eingefroren sei. Dadurch verringere sich das Einkommen vieler Libanesen. «Zudem möchte auch die libanesische Regierung gar nicht, dass es Flüchtlinge in der Bekaa-Region gibt, da die Region ohnehin schon sehr politisch angespannt und schwierig ist», sagte Hensel. Daher erhielten die Flüchtlinge in der Bekaa-Region anders als die Syrer weiter im Norden oder in Beirut auch keine staatlichen Hilfen.

Veränderte Machtverhältnisse
«Je länger sich der Konflikt in Syrien hinzieht, wird die Gefahr immer grösser, dass sich das auch auf Libanon ausweitet», warnte Hensel. In einigen Gebieten seien bereits vermehrt Zusammenstösse zwischen Angehörigen unterschiedlicher religiöser Strömungen zu beobachten. Das Problem sei, dass sich durch den Zustrom der Flüchtlinge die Machtverhältnisse in manchen Gegenden änderten.

2 Millionen Syrer auf der Flucht
Nach Hensels Angaben hat das UNHCR etwa 35'000 Flüchtlinge in Libanon registriert, etwa 12'000 von ihnen in der Bekaa-Region. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen, in der Bekaa-Region sogar doppelt so hoch. Insgesamt sollen rund zwei Millionen Syrer vor dem Bürgerkrieg auf der Flucht sein, die Hälfte von ihnen als Flüchtlinge im eigenen Land. Die Organisation World Vision unterstützt in der Bekaa-Region nach eigener Aussage mehrere tausend Familien.

Rebellen planen eine Gegenoffensive
In Aleppo planen die syrischen Rebellen nach ihren jüngsten militärischen Rückschlägen eine Gegenoffensive in der Millionenstadt. Er habe seine Kämpfer an der Front neu aufgestellt, sagte Rebellen-Kommandant Abu Jamil.

Ein Hauptproblem stellten jedoch die Scharfschützen der Armee von Präsident Bashar al-Assad dar. So versuche er seit zwei Tagen vergeblich, einen seiner getöteten Männer aus dem Stadtbezirk Salaheddine zu holen. Bei dem Versuch die Kontrolle über die Wirtschaftsmetropole zurückzuerlangen, hatten Regierungstruppen die Rebellen am Vortag aus einigen Stellungen vertrieben.

Das kurze Abflauen der Kämpfe nutzten viele Einwohner, um vor den Kämpfen zu fliehen. Sie beluden ihre Autos mit Matratzen, Kühlschränken und anderen Habseligkeiten.

Bald ein neuer Syrien-Vermittler
Die Ernennung eines Nachfolgers für den scheidenden Syrien-Vermittler Kofi Annan soll nach Uno-Angaben bald erfolgen. «Wir wollen uns nicht lange Zeit damit lassen, weil wir nicht wollen, dass auf dieser Position ein Vakuum entsteht», sagte ein Sprecher von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Ein genaues Datum gebe es aber noch nicht. Zu den Gerüchten, nach denen der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi als möglicher Nachfolger im Gespräch sei, wollte der Sprecher keine Stellung beziehen. (lin;pet, reuters/dpa)

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