Assad redet von Dialog und ordnet Verhaftungen an
Die Kämpfe werden auch in Krankenhäusern ausgetragen. Hier eine Szene, die Blut und medizinische Versorgungsgegebstände in einem Hospital in Aleppo zeigt. (Keystone)
Assad sagte in einem Interview mit dem ägyptischen Magazin «Al-Ahram Al-Arabi»: «Der Dialog mit der Opposition ist der einzige Weg, um die Krise zu bewältigen.» Der Wandel dürfe nicht von aussen aufgezwungen werden, schon gar nicht durch eine Militärintervention.
Gleichzeitig aber lässt er Mitglieder der letzten Oppositionsgruppen, die mit seinem Regime überhaupt noch reden wollen, verhaften.
Siegesgewisser Präsident
Assad zeigte sich auch weiterhin seiner Sache sicher. Die Aufständischen würden keinen Erfolg haben, betonte er weiter. Auch Assads früherer Berater Eiman Abdelnur vertrat die Auffassung, der Präsident sei davon überzeugt, seine Gegner seien eine kleine Minderheit ohne Rückhalt in der Gesellschaft: «Er lebt in einem Paralleluniversum, umgeben von Schmeichlern und Ja-Sagern. Er glaubt wirklich, dass die Menschen ihn lieben und dass Syrien ohne ihn untergehen würde.»
Assad beschuldigte ferner Saudi-Arabien und Katar in harschem Ton. Diese beiden Länder versuchten, mit Geld ihren Einfluss in der Region geltend zu machen. «Sie denken, ihr Geld kann Geografie, Geschichte und eine regionale Rolle kaufen», sagte der Präsident laut dem ägyptischen Wochenblatt. «Sie geben Terroristen Waffen und Geld, in der Hoffnung das libysche Modell wiederholen zu können», sagte er.
Oppositionelle verschleppt
Die Nationale Koordinierungsstelle für demokratischen Wandel warf Assad unterdessen vor, hinter dem Verschwinden zweier ihrer Führer zu stecken. Abdul Asis al Cheir und Ajas Ajjasch sollten ursprünglich an einer für Sonntag in Damaskus angesetzten Konferenz von Oppositionsgruppen teilnehmen, die den Rücktritt Assads fordern.
Der Nationalen Koordinierungsstelle zufolge verschwanden sie allerdings am Donnerstag gemeinsam mit einem Freund, der sie am internationalen Flughafen der syrischen Hauptstadt abgeholt habe. Er nehme an, das Regime stecke hinter dem Verschwinden der drei, sagte Hassan Abdul Asim, einer der Führer des oppositionellen Komitees.
Aktivisten zählen mittlerweile fast 30'000 Tote
Der blutige Bürgerkrieg in Syrien fordert täglich mehr Todesopfer. Die Zahl der bislang im Konflikt getöteten Menschen ist nach Angaben der Opposition mittlerweile auf fast 30'000 gestiegen.
Seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad vor 18 Monaten seien knapp 21'000 Zivilisten, gut 1150 zu den Rebellen übergelaufene Deserteure und mehr als 7100 Soldaten des Regimes getötet worden, teilte die in Grossbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.
Die Zählung der Toten beruhe auf Aussagen von Zeugen und medizinischem Personal, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdul Rahman. Aufgenommen worden seien nur Opfer, die mittels ihres Namens oder auf Grundlage von Videoaufnahmen hätten bestätigt werden können. Die Örtlichen Koordinationskomitees, eine weitere Oppositionsgruppe, gaben die Zahl der bislang Getöteten mit 26'405 an. Diese Zählung schliesst aber nicht die im Kampf gefallenen Truppen des Regimes mit ein.
Unterdessen gingen die Kämpfe zwischen Rebellen und Soldaten der Regierung weiter. Insgesamt sollen am Freitag in Syrien nach Angaben von Aktivisten mindestens 40 Menschen getötet worden sein. Besonders umkämpft war die Wirtschaftsmetropole Aleppo im Norden. (wedj ,sda/dapd/dpa)
Mehr zum Stichwort:
