Eine Minderheit regiert das Land
Die Alawiten (sie werden auch Nusairier genannt) in Syrien stellen gerade sechs Prozent der rund 20 Millionen Einwohner, doch die aus der schiitischen Glaubensrichtung des Islam hervorgegangene Gemeinschaft sitzt an den Schalthebeln der Macht. Ob in der regierenden Baath-Partei, der Armee oder der staatlichen Verwaltung - praktisch überall rekrutierte sich das Führungspersonal aus dieser Glaubensgemeinschaft.
Auch die seit 1971 herrschende Familie von Präsident Bashar al-Assad gehört dieser Minderheit an. Zum Vergleich: Fast 75 Prozent der Syrer sind Sunniten. Sie fühlen sich von den Alawiten unterdrückt.
Liberale Glaubensgemeinschaft
Die Alawiten sind nach herrschender Meinung ein Ableger einer irakischen Abspaltung des Islam. Ein Alawit schwört bei der Initiation, die Lehren seiner Religion geheim zu halten. Die Lehre basiert auf dem Mythos von Schöpfung und Fall von Lichterseelen, die in Leiber aus Fleisch und Blut eingekerkert werden.
Die Alawiten sehen sich als Nachfahren Ali ibn Abi Talib. Er ist für sie eine Erscheinungsform des höchsten, namenlosen Gottes, des Urewigen.
Die Alawiten gelten als relativ liberal. Sie müssen zwar wie andere Muslime täglich fünf Mal beten und einmal im Leben nach Mekka pilgern, als absolute Pflicht wird dies aber nicht angesehen.
Den alawitischen Glauben kann man nicht annehmen, man kann nur als Alawit geboren werden. Gewisse Sunniten und Schiiten erkennen die Alawiten nicht als Muslime an, da die Alawiten die Scharia nicht anerkennen.
Alawiten in Syrien, im Irak, in Libanon und der Türkei
Alawiten leben hauptsächlich in Syrien, der Türkei und in Libanon. Ihre führende Stellung in Syrien verdanken sie dem Umstand, dass sie während der französischen Mandatsherrschaft zu Anfang des 20. Jahrhunderts mit den Besatzern kooperierten.
Aleviten vor allem in der Türkei
Wegen der Ähnlichkeit des Namens werden die Alawiten häufig mit den Aleviten verwechselt. Diese sind ebenfalls eine Gruppierung schiitischer Muslime. Aleviten leben vor allem in der Türkei. (ank, lin, reuters)
