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Dienstag, 15.5.2012

EU verschärft Kapitalregeln für Banken

Nie mehr sollen Banken in der EU über riskante Geschäfte ins Wanken geraten und vom Staat gerettet werden müssen. Die EU-Finanzminister haben sich auf härtere Kapitalregeln ab 2013 geeinigt. Das Europaparlament verlangt Nachbesserungen.

Strengere Regeln für Banken: Auch für die Italienische Monte dei Paschi di Siena. (Keystone)

EU-Finanzminister verschärfen Regeln für Banken

Europas Banken müssen ihre Geschäfte künftig mit mehr Eigenkapital absichern, damit sie nie mehr staatliche Rettung benötigen. Deshalb sollen ab 2013 härtere Kapitalregeln für die 8300 Banken und Kreditinstitute in der EU gelten.

Beitrag aus Echo der Zeit vom Dienstag, 15.5.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Die Banken in Europa müssen ihre Geschäfte künftig mit mehr Eigenkapital absichern, um besser gegen Krisen gewappnet zu sein. Auf solch schärfere Kapitalregeln für die 8300 Banken und Kreditinstitute in der EU haben sich die EU-Finanzminister in Brüssel einstimmig verständigt.

Das sagte die dänische Wirtschaftsministerin Margrethe Vestager, die derzeit die Treffen leitet, nach der Debatte. Die neuen Regeln sollen vom 1. Januar 2013 an gelten und weltweite Schocks an den Finanzmärkten wie nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 verhindern.

Grossbritannien lenkte ein
Nach einem monatelangen Tauziehen kam die Einigung nur zustande, weil Grossbritannien mit dem Finanzplatz London seine Blockade aufgab. Auf Druck der Briten erhalten die nationalen Aufseher mehr Spielraum: National sind höhere Kapitalpuffer als in den sogenannten «Basel-III-Regeln» erlaubt.

«Die britische Regierung kann sich soweit einverstanden zeigen», sagte der britische Ressortchef George Osborne. «Wir können jetzt auch mit Banken  umgehen, von denen man bisher sagen musste: Too big to fail.

Grössere Kapitalpuffer
Im Mittelpunkt der neuen Regeln steht das harte Kernkapital, das sich vor allem aus Aktien und einbehaltenen Gewinnen zusammensetzt und unmittelbar haftbar ist. Es gilt als Puffer, damit Banken Verluste ausgleichen können. Bislang mussten die Kreditinstitute nur zwei Prozent ihrer riskanten Geschäfte mit hartem Kernkapital unterlegen. Bis zum Jahr 2019 werden maximal sieben Prozent vorgeschrieben.

Als Kompromiss dürfen die nationalen Aufseher ihren Banken statt der in der ganzen EU festgeschrieben 7 Prozent ein Kapitalpolster von bis zu 12 Prozent abverlangen. Durch ein ausgeklügeltes Kontrollsystem soll die EU aber eingreifen können, wenn einzelne Länder zu hohe Anforderungen verlangen.

Nach Berechnungen der EU-Kommission müssen die Banken sich bis 2015 für die zusätzlichen Kapitalpolster insgesamt 84 Milliarden Euro Eigenmittel beschaffen, bis 2019 rund 460 Milliarden Euro.

Europarlament verlangte mehr
Nach der Einigung der Staaten muss nun noch ein Kompromiss mit dem Europaparlament ausgehandelt werden. Der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Parlaments hatte sich am Vorabend für noch höhere Kapitalpuffer für die grossen Banken ausgesprochen und verlangt Nachbesserungen.

Die Einigung soll bis Sommer stehen. Die Zeit drängt, da die Kapitalvorschriften im Januar in Kraft treten sollen. Mit den Regeln zieht die EU die Lehre aus der Finanzkrise, in der viele Institute nach Milliardenverlusten schwankten und vom Staat gerettet werden mussten. Mit der ausgesprochen umfangreichen Gesetzgebung setzt die EU das internationale «Basel-III-Abkommen» für strengere Eigenkapitalvorgaben von Banken um.

EZB: Wichtiger Rechtsakt für Europa
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier begrüsste die Einigung. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Europäische Bankenaufsicht EBA äusserten sich zufrieden. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio sprach in Brüssel von einem «wichtigen Rechtsakt für Europa». EBA-Chef Andrea Enria mahnte in der Sitzung die EU-Finanzminister, es sei wichtig, ein Gleichgewicht zu finden. (bru;fors/dpa)

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