Angst vor Bankensturm in Griechenland
Zwei Personen heben in Athen Geld ab. (Reuters)
In Griechenland wächst die Angst vor einem Ansturm auf die Banken. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias warnte am Wochenende vor einer bedrohlichen Entwicklung. Unter Berufung auf den griechischen Notenbank-Chef sprach Papoulias von 700 Millionen Euro, die vom Samstagmorgen bis Sonntagnachmittag an Bankschaltern oder über das Internet abgehoben worden seien.
Fast eine Milliarde an einem Tag
Während der dramatischen Verhandlungen über eine neue Regierung am Montag sind daraufhin rund 900 Millionen Euro abgehoben worden, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Bankenkreisen erfuhr. Für einen klassischen «Bank run» mit langen Schlangen vor den Kassenschaltern gibt es derzeit aber keine Anzeichen.
Staatspräsident Papoulias äusserte seine Warnung gemäss Kreisen der Staatspräsidentschaft gegenüber den Parteispitzen, mit denen er am Sonntag die Möglichkeit einer Koalitionsregierung auslotete. Papoulias wollte mit seinen Worten wohl auch deutlich machen, wie ernst die Lage sei.
Radikale Linke wenig beeindruckt
Der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras, zeigte sich wenig beeindruckt von Papoulias' Warnung. «Ach was? Sie haben jetzt entdeckt, dass das Geld ausfliesst. Es sind doch seit Ausbruch dieser Krise 73 Milliarden Euro verloren gegangen», zitierte die griechische Presse Tsirpas' Reaktion. Er meinte, die dramatische Beschreibung der Situation werde ihn nicht dazu bewegen, mit den Konservativen und den Sozialisten zu kooperieren.
Am Dienstag scheiterte dann der letzte Versuch einer Regierungsbildung. Nun müssen die Griechen im Juni erneut wählen. Falls radikale Parteien, die das Sparpaket der bisherigen Regierung ablehnen, weiter zulegen, droht dem Land ein Stopp der internationalen Hilfen und damit auch der Staatsbankrott. Im Raum steht zudem der Austritt aus der Eurozone. Papoulias warnte bereits vor einer «Tragödie».
Angst vor Wertverlust
Seit Ausbruch der Schuldenkrise nehmen die Griechen hohe Summen an Bargeld mit nach Hause oder überweisen Erspartes auf ausländische Konten. Sie befürchten, dass die Banken zusammenbrechen könnten oder das Geld bei einer Umwandlung in die alte Währung Drachme stark an Wert verlieren würde.
Die Einlagen der griechischen Privathaushalte bei den Banken verringerten sich nach Angaben der staatlichen Notenbank seit Anfang 2010 von 195 Milliarden Euro auf 140 Milliarden Euro im März 2012. Dies entspricht einem durchschnittlichen Abfluss von zwei Milliarden Euro im Monat, wobei diese Zahl nur begrenzte Aussagekraft hat.
Hilfe für die Banken
Laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens vom Mittwoch will die griechische Regierung 18 Milliarden Euro aus Mitteln des Euro-Rettungsfonds EFSF an die Banken ausbezahlen. Zuvor hatte es Medienberichten zufolge wenig Fortschritte gegeben, weil es Unklarheiten mit Blick auf den Beitrag privater Geldgeber - etwa über Kapitalerhöhungen - gab.
Ausserdem genehmigte die EU-Kommission am Mittwoch 680 Millionen Euro an Hilfen aus EFSF-Mitteln zur Abwicklung der Übernahme der griechischen T Bank durch die Hellenische Postbank. Die kleine T Bank war 2011 wegen zu geringen Eigenkapitals in Schwierigkeiten geraten. (luea, dpa/sda)
