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Mittwoch, 16.5.2012

«Die Lage ist angespannt»

Die Unsicherheit in Griechenland verunsichert auch die Börsen: Der Euro gerät gegenüber dem Dollar ins Rutschen. Und für die Schweizerische Nationalbank wird es immer schwieriger, die Kursuntergrenze zum Euro zu halten - und wohl auch teurer.

Im August kostete 1 Euro 1 Franken – das soll sich gemäss SNB nicht wiederholen. (Reuters Archiv)

Von Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr

Der Euro ist gegenüber dem Dollar unter die Marke von 1,27 gefallen. So tief war der Kurs seit Januar nicht mehr. Das sei besorgniserregend, sagt der Frankfurter Devisen-Experte Lutz Karpowitz. Von einer dramatischen Situation will der Commerzbank-Angestellte jedoch nicht reden.

Was wäre, wenn...
Viele Börsenhändler schliessen eine Staatspleite Griechenlands und einen Austritt aus der Euro-Zone nicht mehr aus. Die Unsicherheit lastet auf der Gemeinschaftswährung, und eine baldige Erholung ist nicht zu erwarten. Und das hat Folgen auch für die Schweiz.

1,20 verteidigen - um jeden Preis
Denn die Schweizerische Nationalbank will den Euro unter keinen Umständen unter die Marke von 1 Franken 20 rutschen lassen. Und daran werde sich auch nichts ändern, ist Devisen-Experte Karpowitz überzeugt: «Der Kurs von 1,20 wird halten», sagte er gegenüber Radio DRS. Aber: Die Verteidigung der Kurs-Untergrenze zum Euro wird schwieriger - und für die Nationalbank mitunter auch teurer.

Horror-Szenario: 1 Euro = 1 Franken
Für den deutschen Devisen-Experten gibt es trotzdem keine Alternative. Denn: Würde die Untergrenze von 1 Franken 20 aufgegeben, würde der Kurs schnell fallen - und tief fallen: Es gehe nicht darum, ob 1 Euro dann einen Franken 18 oder 19 kosten würde, so Lutz Karpowitz, «dann sind wir schnell bei der Parität oder darunter».

Gravierende Folgen für Export und Tourismus
Dass ein Euro gerade mal einen Franken kostet, ist eine Horror-Vorstellung für die Schweizer Export-Industrie und den Tourismus. In beiden Branchen würden die Unternehmen nochmals deutlich weniger verdienen:

Die Industrie, weil sie ihre Waren zu hohen Schweizer Preisen produzieren- , aber zu tiefen Euro-Preisen verkaufen müsste. Und die Hoteliers, weil sie weniger von ihren europäischen Gästen bekämen, ihren Angestellten aber weiterhin hohe Schweizer Löhne bezahlen müssten.

«Das könnte so manches Unternehmen in arge Schieflage bringen», ist Karpowitz überzeugt: Selbst der Kurs von 1 Franken 20 pro Euro sei für viele Firmen eine Herausforderung.

Dollar als Kontrapunkt zum Euro
Da dürfte es für die Firmen nur ein kleiner Trost sein, dass der Dollar gegenüber dem Franken wieder zugelegt hat, und Schweizer Firmen auf dem amerikanischen Markt konkurrenzfähiger werden. Denn die meisten Waren exportieren Schweizer Unternehmen nach wie vor in Länder der Euro-Zone. (smus)

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