Bankrat erwägt Überprüfung der Hildebrand-Konten
Philipp Hildebrand. (Reuters Archiv)
Der Bundesrat will sich mit den Ernennungen für die Spitze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bis im April Zeit lassen. Mehr
- Donnerstag, 28.6.2012: Affäre Hildebrand: Presserat rügt «Weltwoche»
- Montag, 11.6.2012: Teilerfolg für Blocher gegen Staatsanwaltschaft
- Donnerstag, 31.5.2012: «Das ist ein politischer Entscheid»
- Freitag, 27.4.2012: SNB-Bankratspräsident verteidigt Gremiumsarbeit
- Donnerstag, 26.4.2012: Immunitätskommission schützt Blocher nicht
- Mittwoch, 21.3.2012: Hausdurchsuchung bei Christoph Blocher
Von Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann
Der Bankrat hatte dem Prüfer der Firma KPMG Anfang Januar den Auftrag erteilt: Alle privaten Finanz-Transaktionen aller fünf aktuellen Direktoriumsmitglieder der Schweizerischen Nationalbank und ihrer Familien sowie diejenigen von Ex-Präsident Philipp Hildebrand und seiner Frau überprüfen.
Die Zeit drängte: Philipp Hildebrand sollte möglichst rasch ersetzt werden. Doch zuvor wollten die Verantwortlichen sicher sein, dass mögliche Präsidiums-Kandidaten aus den Reihen des Direktoriums wirklich weisse Westen haben.
Zeitnot bei den Untersuchungen
Die Prüfer von KPMG gerieten in ein Dilemma: Entweder prüfen sie schnell oder vollständig. Wollten sie nämlich wirklich alle privaten Transaktionen des Direktoriums untersuchen, würde der Bericht erst Anfang Sommer vorliegen.
Der Grund: Eine neuerliche Untersuchung der drei umstrittenen Transaktionen der Familie Hildebrand aus dem Jahr 2011 wäre wegen der laufenden Strafverfahren äusserst aufwändig. Ausserdem hätte es viel Zeit gebraucht, die Geschäftskonti von Galerie-Inhaberin Kashya Hildebrand mit ihren Hunderten von teils Cash-Transaktionen zu untersuchen.
Bankrat erwägt weitere Untersuchung
In Absprache mit dem Bankrat haben die Prüfer sich deshalb dafür entschieden, diese beiden Punkte in der Untersuchung auszulassen. Sie taten dies wohl auch aus der Überlegung, Philipp Hildebrand sei nach seinem Rücktritt nicht mehr von vorrangigem Interesse.
Viele Kommentatoren sehen das nun anders. Man wolle volle Transparenz, hiess es in verschiedenen Medien und auch im Parlament. Nun bestätigt die Nationalbank gegenüber Schweizer Radio DRS, dass der Bankrat erwäge, eine zusätzliche Untersuchung in Auftrag zu geben - mit dem Ziel auch die restlichen privaten Geldgeschäfte des Ehepaars Hildebrand zu untersuchen.
Parlament könnte Bankrat zuvorkommen
Der Entscheid dürfte bald fallen. Denn bereits am nächsten Mittwoch beginnt im Nationalrat eine Sondersession unter dem Titel «Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der Schweizerischen Nationalbank».
Sollte sich die Nationalbank dafür entscheiden, selbst ganz reinen Tisch zu machen, würde sie wohl denjenigen Parlamentariern Wind aus den Segeln nehmen, die fordern, dass die Politik aktiv wird - im Extremfall mit dem Mittel einer Parlamentarischen Untersuchungskommission PUK. (bat;bru)
