Putin und Kirche gegen harte Strafe für Pussy Riot
Die jungen Frauen müssen den Prozess in einem Kasten aus Plexiglas verfolgen. (Keystone)
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- Montag, 22.10.2012: Pussy-Riot-Mitglieder in Straflager verlegt
- Mittwoch, 10.10.2012: Haft für eine Musikerin von Pussy Riot aufgehoben
- Donnerstag, 23.8.2012: Menschenrechtsbeauftragter: «Urteil übertrieben»
- Samstag, 18.8.2012: Pussy Riot singen weiter gegen Putin
- Freitag, 17.8.2012: Scharfe Kritik am ersten Urteil gegen Pussy Riot
Wladimir Putin hat sich in den Prozess um die Punkband Pussy Riot eingeschaltet. Der Kremlchef will keine zu harte Strafe für die drei angeklagten Frauen.
«Ich denke nicht, dass sie dafür zu hart verurteilt werden sollten», sagte Putin am der Agentur Interfax zufolge am Rande seines Besuches bei den Olympischen Spielen in London. Die Verteidigung sprach in Moskau von einem möglichen «Wendepunkt» in dem Verfahren wegen Rowdytums.
Wendepunkt im Verfahren?
Maria Aljochina (24, Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) drohen nach einem Punkgebet gegen Putin und Patriarch Kirill in der wichtigsten russisch-orthodoxen Kathedrale sieben Jahre Haft wegen «Hooliganismus aus religiösem Hass».
Überraschend habe sich Putin nun «weicher» als zuletzt geäussert, sagte der Verteidiger Nikolai Polosow. «Das könnte mit Druck von aussen zusammenhängen - oder von innen heraus kommen», sagte er. Das könne auf einen «Wendepunkt» hindeuten.
Zwar kritisieren Kremlgegner immer wieder die politische Einmischung in laufende Verfahren in Russland. Dies könne aber ein positives Signal sein, sagte Polosow. Die Verteidigung werde am Ende nur einen Freispruch akzeptieren.
Aus den Folgen gelernt
Putin verurteilte den Kirchenauftritt der vermummten Musikerinnen zwar erneut, äusserte aber auch die Hoffnung, dass die Angeklagten aus den Folgen ihrer Aktion gelernt hätten. Die Kirche hatte das Gebet für Putins politisches Ende als Gotteslästerung gebrandmarkt.
Die Frauen stehen auch wegen Verletzung zu religiöser Gefühle vor Gericht. Putin gab zu bedenken, dass eine vergleichbare Aktion etwa im islamisch geprägten russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus für die Künstlerinnen lebensgefährlich hätte sein können.
Kirche will Ende der Diskussion
Auch die russisch orthodoxe Kirche schlägt unerwartet mildere Töne an. Die Protestaktion sei «sehr dumm und verletzend für die Gläubigen» gewesen, sagte der Chefideologe des Patriarchats Wsewolod Tschaplin, der Agentur Itar-Tass. «Aber es ist auch eine Dummheit, darüber unendlich zu sprechen.»
Die jungen Frauen, die im Gericht in einem Kasten aus Plexiglas ausharren müssen, beschweren sich seit dem Prozessbeginn am Montag über zu wenig Schlaf und Essen sowie fehlende Pausen. Russische Anwälte veröffentlichten eine Resolution, in der sie den Prozess als Justizskandal bezeichneten, der die Rechtsgrundlagen des Staates zerstören könne. (saua;pet, dpa)
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