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11.01.2011

Buch-Tipp: Angelika Overath «Alle Farben des Schnees»

Angelika Overaths Aufzeichnungen aus dem Unterengadin handeln vom Aus- und vom Einwandern, vom Einleben an einem neuen Ort und von der Sehnsucht, dazuzugehören. Ein Buch für Heimatsuchende und Naturverbundene.

Das Unterengadin als Heimat: Der Sohn lebt sich rasch ein, die Mutter kämpft mit der Sprache.

Alle Farben des Schnees
von Angelika Overath

Buch

Angelika Overath ist mit Mann und Sohn aus Tübingen ins Unterengadin gezogen - genauer ins Dorf Sent, das die Familie zuvor nur als Ferienort genossen hat. In Sent führte sie vom 1. September 2009 an ein Jahr lang Tagebuch.  

Jubelmomente und Frustrationen
Dieses nun veröffentlichte literarische Tagebuch führt allerhand zusammen: Die Geschichte des Dorfes Sent, Geschichten aus dem Dorf und variantenreiche Naturbeschreibungen, dazu Kunst- und Kulturbetrachtungen.

Geradeheraus notiert die Autorin Jubelmomente und Frustrationen: Arrangiert sie sich einerseits schnell mit Haus und Garten und damit, dass der Schnee ein halbes Jahr lang immer wieder zurückkehrt, ist sie, eine Frau der Sprache, andererseits enttäuscht, dass ihr das Erlernen des Vallader, eines rätoromanischen Idioms, nicht leicht fällt.

Ihre Ungeduld und die Unsicherheiten, die die Autorin treffend beschreibt, machen das Buch authentisch. Wie und was erzählt wird, passt zu den Bergen: Es ist unberechenbar und harmonisch.

«Ich will Senter werden»
Die Unterschiede im Heimatfinden von Mutter und Sohn machen das Buch sehr anschaulich. Er, der Primarschüler, nimmt die neue Sprache scheinbar mühelos auf, er geht freudvoll in der Umgebung, der Gemeinschaft und den Bräuchen auf.

Auf die Frage der Mutter, ob er konfirmiert werden will, sagt er: «Ich will Senter werden.» Die Mutter muss sich manchmal einen Schupf geben, um öffentliche Anlässe zu besuchen, denn ihr Sprachmanko hemmt sie.

Trotzdem wird Sent zur Heimat: Angelika Overath und ihr Mann werden als Dozierende im Jahr, von dem das Tagebuch erzählt, an mancherlei Orte eingeladen, von Luzern über Prag bis nach Vermont. Und je länger, je weiter, umso mehr liest man, wie die Autorin sich nach Sent denkt, nach diesem Sent in ihrem Leben.

Neben diesen differenzierten Betrachtungen über Heimat und Identität ist «Alle Farben des Schnees» auch ein Buch für Naturverbundene: Wie aus Schneekristallen Flocken werden, werden hier aus Beobachtungen Geschichten.

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Tania Kummer über Angelika Overaths Roman
Hören (3:22)

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