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Blick ins All: Szene aus «Space Tourists» (2009) von Filmemacher Christian Frei.

Sterne am Schweizer Dokfilm-Himmel

Die Schweiz ist für ihre Dokumentarfilme international bekannt. Wir haben aus der Fülle zehn Filme herausgegriffen - bekannte und weniger bekannte Perlen aus den letzten dreissig Jahren.


«Reisender Krieger» (1981)

Herr Krieger ist Vertreter für das amerikanische Kosmetik-Unternehmen. Mit dem Ziel, dessen Parfum-Produkte an Schönheitssalons zu verkaufen, reist er Woche für Woche durch die Schweiz. Während seine Frau alleine zu Hause sitzt, trifft Krieger an den unterschiedlichsten Orten auf Persönlichkeiten und Gestalten, führt abwegige und kluge Gespräche, sitzt herum, beobachtet - und lernt so sein Land kennen.

Die fiktionalisierte Doku ist Christian Schochers, wie er einst sagte, «ganz private, unbescheidene Adaption von Homers Odyssee und dem Ulysses von James Joyce». Der Film war Kritikerliebling an europäischen Filmfestivals, wurde dem Kinopublikum aber oft vorenthalten.

Hören: «Reflexe» über Christian Schocher



Dani, Michi, Renato und Max (1987)

Richard Dindos Film rollt ein Stück Vergangenheit auf: Er blickt auf das Umfeld, das während der Zürcher Unruhen anfangs der 1980er-Jahre vier Jungendlichen das Leben kostete. Von der Polizei in Zürich verfolgt, niedergeschossen und zusammengeknüppelt, wurden sie späte Opfer der Jugendunruhen. Angehörige und Zeugen kommen zu Wort, ergänzt mit zahlreichen Filmdokumenten und Tagebuchauszügen.

Seit über 30 Jahren ist Dindo eine prägende Figur des Schweizer Kulturlebens. Durch seine politisch und emotional engagierten Recherchen gilt es als «anwaltschaftlicher Filmer» der Schweiz.

Porträt über Dindo (pdf, englisch)



War Photographer (2001)

«Soll ich weglaufen oder soll ich mich der Verantwortung stellen, mit meiner Kamera alles festzuhalten?» Kriegsfotograf James Nachtwey sucht, inmitten von Leiden, Sterben, Gewalt und Chaos, nach Bildern, von dem er glaubt, dass sie sich publizieren lassen. Christian Frei porträtiert den ebenso engagierten wie scheuen Menschen, der als bedeutendster und mutigster Kriegsfotograf unserer Zeit gilt.

Für seinen Film hat Christian Frei den Fotografen Nachtwey über zwei Jahre lang begleitet. Um die Sicht des Fotografen hervorzuheben, hat der Regisseur Teile des Films mit einer Spezialkamera gedreht, die an Nachtweys Fotokamera angebracht war. «War Photographer» erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde für einen Oscar nominiert.

Homepage des FilmsTrailer zum Film



Gambling, Gods and LSD (2002)

Es ist ein dreistündiger Gegenwartstraum: Ein Film, der den unsichtbaren Strömen folgt, die Menschen in Toronto, Nevada, der Schweiz und Südindien quer durch die Kulturen verbinden. Im Zentrum steht die Suche nach dessen, wofür wir leben – Menschen auf der Suche nach einem tieferen Sinn des Seins, oft am Rande der Selbstverleugnung.

Der kanadisch-schweizerische Filmemacher Peter Mettler zeigt in «Gambling, Gods and LSD»: Er ist mehr Künstler als Journalist, dokumentarische und innere Bilder lässt er verschmelzen. Für sein Werk erhielt er 2002 in Nyon den «Grand Prix».

Homepage zum Film



Forget Baghdad (2002)

In einer filmischen Reflexion über die Klischees «des Juden» und «des Arabers» in den letzten hundert Jahren Film, verknüpft Regisseur Samir Lebensgeschichten von ehemaligen irakisch-jüdischen Kommunisten. Vier Protagonisten erinnern sich: an ihr Leben in Baghdad, die revolutionäre Politik der 40er und 50er Jahre, und an den demütigenden Empfang in Israel.

Der aus Bagdad stammende Filmemacher Samir schlägt in seinem Dokumentarfilm ein nur wenig bekanntes Geschichtskapitel des Nahen Ostens auf. Am Filmfestival Locarno 2002 wurde der Film von der «Kritikerwoche» ausgezeichnet – mit der Begründung, dass dieser «vollendet die ästhetischen Mittel des modernen Dokumentarfilms beherrscht».

Trailer zum Film



Hirtenreise ins dritte Jahrtausend (2002)

Das stille Porträt über das Hirtentum in der Schweiz ist Erich Langjahrs letzter Film einer Trilogie, in der sich der Regisseur mit den elementaren Fragen des Menschen auseinandersetzt. Im Zentrum stehen die Fragen nach Identität, Überleben und Zukunft einer der ältesten Kulturformen – das Leben von Hirten am Anfang des dritten Jahrtausend.

Seine moderne Hirtengeschichte erzählt Langjahr in einer ganz eigenen Sprache – meditativ, poetisch und allem voran ohne Hast. Der Film zählt zu den erfolgreichsten Filmen Langjahrs und erhielt mehrere Auszeichnungen.

Homepage von Erich Langjahr



Hans im Glück (2003)

Peter Liechti erzählt seine persönliche Geschichte, wie er auszieht, um das Rauchen loszuwerden. Die Entwöhnungskur ist als Fussmarsch angelegt: Liechti wandert von seinem Wohnort Zürich «zurück» in seine Geburtsstadt St. Gallen, wo er einst mit dem Rauchen angefangen hat. Immer wieder unternimmt er diese Route – so oft, bis das Ziel erreicht ist. Und immer mehr wird diese Suche nach den Quellen seiner Sucht zu einer Erforschung seiner eigenen Herkunft.

Liechti hat mit der Dokumentation ein Roadmovie für Fussgänger geschaffen, eine Art Heimatfilm für Heimatlose. Nebst seinem späteren Film «The Sound of Insects» zählt «Hans im Glück» zu Liechtis beliebtesten Filmen.

Homepage zum FilmTrailer zum Film



Gambit – Verdacht auf eine Straftat (2005)

Italien, 1976: Eine Explosion in der Chemiefabrik Icmesa führt zu einer für Menschen und Umwelt verheerenden Dioxinkatastrophe. Die Icmesa gehört zum Basler Chemiekonzern Hoffmann La Roche. Nach dem Unfall wird Jörg Sambeth, als technischer Direktor von Icmesas Mutterhaus, der vorsätzlichen Unterlassung von Sicherheitsmassnahmen angeklagt – und merkt bald, dass es Fakten gibt, die andere lieber unter den Teppich kehren würden.

Die Journalistin Sabine Gisiger hat mit «Gambit» ein wichtiges Stück Schweizer Industriegeschichte aufgearbeitet ohne dabei zu werten. In Locarno wurde die Dokumentation mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Infos zum Film auf Dschoint VentschrTrailer zum Film



No More Smoke Signals (2008)

Eine Radiostation im US-Staat South Dakota, gegründet in den 1970er Jahren von der indianischen Widerstandsbewegung: Es ist ein vergessener Ort zwischen Kampf und Hoffnung, zwischen indianischem Mythos und dem Alltag im ärmsten Reservat der USA. Doch bei «Kili Radio» herrscht Tatendrang. Statt Rauchzeichen sendet die Station ihre Signale durch die Weite der grandiosen Landschaft, mit einer Mischung aus Humor und Melancholie.

Der Film der 1975 in Basel geborenen Fanny Bräuning zählt zu den erfolgreichsten Dokfilmen der Schweiz. 2009 wurde er unter anderem mit dem Prix de Soleure und dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet.

Homepage zum FilmTrailer zum Film

Hören: DRS2aktuell-Beitrag (Filmkritik)

Hören: Passage2 «Kili Radio - die Stimme der Lakota-Indianer»



Die Frau mit den 5 Elefanten (2009)

Swetlana Geier gilt als grösste Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche. Jüngst hat sie ihr Lebenswerk beendet - die Neuübersetzung der fünf grossen Romane von Dostojewskij. Mit Regisseur Vadim Jendreyko reist die über 80-jährige Frau zum ersten Mal seit dem Krieg aus ihrer Wahlheimat Deutschland - zurück an die Orte ihrer Kindheit in der Ukraine.

Bereits letztes Jahr in Nyon ausgezeichnet, erhielt Jendreykos vielschichtiges Porträt dieses Frühjahr in Solothurn den Schweizer Filmpreis in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm».

Trailer zum FilmHören: DRS2aktuell-Beitrag (Filmkritik)

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