(Frankfurter Buchmesse / Peter Hirth)
Deutscher Buchpreis 2009
Sieben Jurymitglieder haben im letzten halben Jahr insgesamt 154 Titel gesichtet, die zwischen dem 1. Oktober 2008 und dem 16. September 2009 erschienen sind. Daraus ist eine Shortlist aus sechs Romanen hervorgegangen.
Die beiden Schweizer Autoren Sybille Berg und Peter Stamm, die noch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis figurierten, sind nicht mehr unter den Nominierten.
Schliesslich machte Kathrin Schmidt das Rennen: Mit ihrer autobiographischen Krankheitsgeschichte «Du stirbst nicht» gewinnt die Berlinerin Kathrin Schmidt den Deutschen Buchpreis. Ganz unaufgeregt, frei von Kitsch und bisweilen bitter-komisch beschreibt sie darin die Wiedergeburt eines Menschen.
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Rainer Merkel: Lichtjahre entfernt |
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Der Familientherapeut Thomas Kaszinski wird vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe gestellt: Er muss sein Leben in Ordnung bringen. Auf einer Reise nach New York trifft er seine langjährige Freundin, doch die Beziehung ist am Ende. Auf dem Rückweg, in der U-Bahn zum Flughafen, verliert er sich in der Vergangenheit. In immer neuen Anläufen kreisen seine Gedanken um die dramatischen Ereignisse der letzten Monate, die - wie seine Liebe - Lichtjahre entfernt scheinen. Erst kurz vor seinem Rückflug erkennt er plötzlich, dass es eine Möglichkeit der Rettung gegeben hätte. |
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Herta Müller: Atemschaukel |
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Rumänien am Ende des Krieges: Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. In der eisigen Nacht des 15. Januar 1945 wird ein junger Mann in ein russisches Sammellager verschleppt. «Ich weiss, du kommst wieder» - dieser Satz, den ihm seine Grossmutter noch auf dem Holzgang nachruft, hält ihn am Leben. Herta Müller erzählt vom Schicksal der deutschen Bevölkerung Siebenbürgens und vom Leben eines jungen Mannes in den Lagern Russlands. So macht sie ein noch fast unbekanntes Kapitel der europäischen Geschichte in einer individuellen Geschichte sichtbar. |
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Norbert Scheuer: Überm Rauschen |
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Einst sind der Vater und die Brüder gemeinsam fischen gegangen, das Rauschen des Wehrs hinter der Gaststätte in der Eifel, in der sie gelebt haben, hat die Kindheit der Brüder mit Ahnungen und Phantasien belebt. Aber der Vater, beim Angeln immer auf der Suche nach einem riesigen mythischen Urfisch, ist tot. Und der ältere Bruder Hermann ist dabei, den Verstand zu verlieren. Der jüngere Bruder ist zurückgekehrt an den Ort der Kindheit, um der Familie zu helfen, steht im Fluss, angelt und lässt das Leben des Bruders, sein eigenes, das der Familie Revue passieren. |
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Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht |
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Helene Wesendahl erwacht im Krankenhaus: ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch sie selbst war. Kathrin Schmidt macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich ihrer Vergangenheit und Gegenwart stellt, beeindruckt. |
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Clemens J. Setz: Die Frequenzen |
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Der Roman erzählt die Geschichte von Alexander und Walter, Freunden aus Kindertagen, deren Wege sich wieder kreuzen. Dies ist aber auch die Geschichte von Valerie, die im Park brutal zusammengeschlagen wird, und von Gabi, die sich in Walter verliebt und die psychische Probleme und ein Tinnitus in den Wahnsinn treiben; von Alexanders Freundin Lydia, von sprechenden Dingen, explosiven Gewalttätern und von Uljana, Valeries Hund. Clemens Setz präsentiert das Leben als Kettenreaktion. Sein Roman wird zur Weltmaschine: ein sprachmächtiges Buch über Liebe und Wahnsinn. |
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Stephan Thome: Grenzgang |
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Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Spannungsreich und voller überraschender Wendungen erzählt Stephan Thome von der Jagd nach dem Glück, die seine Figuren aus Berlin und Köln in die hessische Provinz und von dort in einen Swinger-Club an der Frankfurter Peripherie führt. Schnell wird klar, wie leicht vermeintliche Sicherheiten abhandenkommen können und wie dünn das Eis ist, auf dem Lebensentwürfe errichtet werden. |
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